Der Zug des Vergessens

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2025-01-14
aktualisiert

Die Eisenbahn prägte als Symbol des Fortschritts maßgeblich das 19. und 20. Jahrhundert. Doch während des Zweiten Weltkriegs wurden Züge zum Werkzeug des Holocausts.

Deportationszüge durchzogen ganz Europa, ihre Waggons voll mit Menschen, deren Ziel die Vernichtungslager wie Mauthausen oder Auschwitz waren. Auch durch Niederösterreich verliefen Deportationsrouten, die oft unbemerkt blieben – die leisen Zeugen eines grausamen Kapitels der Geschichte.

Unterstützt vom Kulturland Niederösterreich.

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Klang gewordene Erinnerung

Das Quietschen von Metall, das Dröhnen der Räder, die verstummten Stimmen und die beklemmende Stille zwischen den Tönen verdichten sich zu einer Komposition, die das Unsichtbare hörbar macht. Diese Klanginstallation interpretiert die historische Realität neu und macht sie hörbar – als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart für die Erinnerungskultur als einen wichtigen Bestandteil unseres Lebens und Zeugnis der Geschichte unseres Landes.

Die unsichtbaren Spuren in der Landschaft

Die Deportationszüge passierten Städte und Dörfer – unbemerkt von vielen, doch tief eingeprägt in die Landschaft. Die Geräusche der rollenden Waggons verschmolzen mit dem Alltag der Menschen, während hinter den Holzplanken menschliche Tragödien stattfanden. Gezogen durch das Mostviertel, Weinviertel und Industrieviertel, in Richtung Vernichtungslager – diese Installation richtet den Blick auf diese parallele Realität: die unscheinbaren Schienenstränge, die zu Wegen des Todes wurden.

Ein persönlicher Zugang zur Geschichte

Die Deportationen sind nicht nur historische Fakten, sondern ein Erbe, das bis in die Gegenwart reicht. Geschichten von Überlebenden und deren Familien hallen weiter und beeinflussen nachfolgende Generationen. Diese Arbeit versteht sich als Versuch, diese Vergangenheit in einen neuen, hörbaren Kontext zu setzen. Sie ist ein Nachspüren der Spuren, die diese Züge hinterlassen haben – auf den Gleisen, in der Landschaft und in den Biografien der Menschen.

Mein Großvater überlebte als polnischer Jude den Holocaust, versteckt in einem katholischen Waisenhaus. Die Ereignisse jener Zeit sind ein Teil meiner Geschichte – und dieser künstlerische Prozess ist für mich mehr als nur ein Projekt. Es ist eine Form der Erinnerung, der persönlichen Auseinandersetzung und des Brückenschlags in die Gegenwart.

Die Kraft des Zuhörens – Erinnerungskultur neu denken

Erinnerung muss nicht immer sichtbar sein – sie kann sich durch Zuhören erschließen. "Der Zug des Vergessens" versteht sich als Einladung, sich diesem schwierigen Kapitel auf eine neue Weise zu nähern. Die auditive Komposition wird in Museen, Gedenkstätten und Ausstellungen zu hören sein – ein Mosaik aus Tönen, das Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlägt.

Geplante Ausstellungen

Die Toncollage "Der Zug des Vergessens" ist für eine zukünftige Präsentation im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt im Rahmen einer Ausstellung vorgesehen (Details folgen). Stand: 2025-01-24

Projektbericht

Im Rahmen des Projektes „Der Zug des Vergessens“ wurden eine Vielzahl an Aktivitäten unternommen, um die geplanten Ziele im Sinne der Erinnerungskultur zu erreichen. Nachfolgend werden die wesentlichen Schritte und Ergebnisse dargestellt.

1. Recherche und Konzeptentwicklung

Eine wesentliche Grundlage des Projekts war die intensive Recherche zu den geschichtlichen Hintergründen der Deportationszüge, die durch Niederösterreich führten. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf historische Dokumente, Überlebendenberichte und lokale Gegebenheiten gelegt. Basierend auf diesen Recherchen wurde ein detailliertes Konzept für die auditive Aufarbeitung entwickelt. Dieses Konzept bildet das Fundament für die künstlerische Umsetzung und den historischen Diskurs.

2. Reise nach Auschwitz

Im Zuge der Projektvorbereitung fand eine Reise nach Auschwitz statt, die als zentrale Inspirationsquelle diente. Vor Ort wurden Tonaufnahmen gemacht, die in die spätere Komposition integriert wurden. Diese Aufnahmen umfassen Umgebungsgeräusche, die für die authentische Wiedergabe der historischen Realität unverzichtbar sind.

3. Auditive Spurensuche

Ein zentrales Element des Projekts war die auditive Spurensuche, bei der historische Geräusche und akustische Elemente rekonstruiert und künstlerisch interpretiert wurden. Hierzu wurden zeitgenössische und historische Klangquellen analysiert, um ein möglichst authentisches Hörerlebnis zu schaffen.

4. Umsetzung und künstlerische Interpretation

Das entwickelte Konzept wurde in eine klangliche Installation überführt, die sowohl in Gedenkstätten als auch in Museen und Ausstellungen präsentiert werden kann. Die Komposition soll als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart dienen und die Erinnerungskultur auf innovative Weise bereichern.

5. Ziel und Nachhaltigkeit

Das Projekt „Der Zug des Vergessens“ verfolgt das Ziel, die Geschichte der Deportationszüge akustisch erlebbar zu machen und das Bewusstsein für dieses dunkle Kapitel der Geschichte zu stärken. Durch die vielseitige Einsetzbarkeit der Installation wird eine nachhaltige Nutzung sichergestellt.

Tafelbeschreibung

Der Zug des Vergessens – Aaron Nossek

Diese Klanginstallation interpretiert die Deportationszüge des Zweiten Weltkriegs auf auditiver Ebene. Auf den Schienen Niederösterreichs rollten einst Waggons voller Menschen – begleitet von Stimmen, Geräuschen und Geschichten, die oft ungehört blieben. Die Installation gibt diesen Spuren eine Stimme und erinnert an das Unsichtbare, das in der Landschaft fortbesteht.